Christenverfolgung im alten Rom

Vergessen wir nicht: auch die Christen waren einst den übelsten Verleumdungen ausgesetzt – und zwar im alten Rom. Heimlich oder offen wurden die unglaublichsten Lügenmärchen über sie verbreitet.

Aber warum wurden die Christen bis aufs Messer bekämpft? Nun, es ging mit einem Wort um die politische Macht. Die Christen weigerten sich kurz gesagt, je und je von einer Statue des Kaisers Weihrauch abzubrennen, was als Zeichen der Illoyalität gegenüber dem Staat verstanden wurde. Die römische Regierung schlussfolgerte haarscharf, dass es sich bei dem Christentum deshalb um eine radikale Sekte handeln müsse, die vielleicht den Umsturz des römischen Staates plante.

 

Verschiedene römische Kaiser befürchteten also den Verlust ihrer Autorität. Das Römische Weltreich wurde schliesslich auch durch den Glauben an die römischen Götter und ihre Kaiser zusammengehalten, die selbst oft als Götter verehrt wurden. In der Weigerung der Christen, den römischen Kaisern beziehungsweise ihren Statuen Ehrerbietung entgegenzubringen, erblickte man eine Art Majestätsbeleidigung.

Was also wurde unternommen? Nun, die Christen wurden diskriminiert nach Strich und Faden, denn sie waren den herrschenden Klassen ein Dorn im Auge.

Was also wurde über die frühen Christen kolportiert? Nun, beispielsweise wurde allen Ernstes behauptet, dass die Christen kleine Kinder auffrässen.

Weiter wurden sie der schwarzen Magie angeklagt und der heimlichen Unzucht beschuldigt. Schliesslich lief das Gerücht um, sie tränken am Osterfest Menschenblut und verehrten einen Esel. (1)

Die systematische, staatliche Verfolgung der Christen setzte mit dem römischen Kaiser Nero (37 – 68 n. Chr.) ein, aber auch andere Kaiser machten sich später einen schlechten Namen. Um wen handelte es sich bei diesem ominösen Nero?

Historiker wissen, dass er sich für einen überaus grossen Künstler hielt und schlussendlich dem Grössenwahn verfiel. Sein Leben war eine einzige Kette von Skandalen. Nero ermordete seine eigene Mutter, die ihn auf den Thron gebracht hatte, aber er war auch Schuld am Tod zweier Ehefrauen. Seine zweite Ehefrau, Poppaea, starb im Zustande der fortgeschrittenen Schwangerschaft – durch einen kaiserlichen Fusstritt in den Bauch. Dennoch liebte Nero sie abgöttisch, denn als er später einem jungen Mann begegnete, der seiner immer noch geliebten (toten) Popaea ähnlich sah, ließ er ihn kastrieren und heiratete ihn in einer offiziellen Zeremonie. Nero liebte ausserdem ausufernde Gastmähler, übermässiges Essen und Perversionen aller Art. Der Kaiser verkleidete sich gern des Abends, suchte Bordelle auf oder plünderte Läden, wobei er regelmässig Frauen belästigte.

Der römische Historiker Sueton (ca. 70 – 135 n. Chr.) kommentiert: „Nero missachtete jede Art von Religion, ausser … den Kult der Syrischen Göttin. Später schätzte er aber auch diese so gering ein, dass er sie mit Urin besudelte.“ (2) Nero war also ein Gegner jeder religiösen Theorie und Praxis. Mit einer einzigen Ausnahme: Er hielt sich selbst für einen Gott, der jedoch keine anderen Götter neben sich duldete.

 

Dieser Wahnsinnige auf dem römischen Thron, dieses kaiserliche Ferkel, ist also die erste Figur, die wir festmachen können, wenn es um die Verfolgung der frühen Christen geht. Als Rom am 18. Juli 64 n. Chr. lichterloh brannte  – wahrscheinlich durch Nero selbst initiiert – wies man mit dem Finger schnell auf die Christen. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass Nero selbst viele römische Häuser nur deshalb abfackeln liess, weil er Platz brauchte, Platz, um den Bau seines neuen, monströsen Palastes ausführen zu können.  Jedenfalls wurde sein „Goldenes Haus“ (domus aurea), der neue Prunkpalast für Nero, in den Jahren 46 – 68 auf eben der Fläche errichtet, die gerade abgefackelt worden war.

Aber vorher waren zahlreiche Wohnhäuser, Tempel und Kunstschätze durch den Brand zerstört worden. Tausende von Menschen verloren ihr Leben, Hunderttausende wurden obdachlos und halb verrückt vor Angst.

Das römisch Volk murrte und drohte, sich gegen den Kaiser zu erheben, der ganze Bezirke in Rom offenbar niedergebrannt hatte, um Rom neu und schöner und prächtiger auferstehen zu lassen, wollte er doch als dessen zweiter Gründer in die Geschichte eingehen. Jedenfalls beschuldigen die römischen Historiker Tacitus (56 – 117 n. Chr.), der bereits zitierte Sueton und Cassius Dio (ca. 159 – 229 n. Chr.) Nero übereinstimmend der Brandstiftung.

Nero aber geriet nun in Zugzwang, als das Volk die Wahrheit erahnte. Flugs sah er sich nach einem Sündenbock um. Eilends schob er den Brand den Christen in die Schuhe. Daraufhin belegte er sie mit den ausgesuchtesten Strafen. Er liess sie durch Hunde zerfleischen, kreuzigen und benutzte sie als menschliche Fackeln, indem er sie zur nächtlichen Stunde zur Beleuchtung der Strassen anzünden liess.

 

DIE SPÄTERE VERFOLGUNG

Es gibt so viele Märtyrer-Akten, dass wir nicht vorgeben wollen, die gesamte Verfolgung der frühen Christen hier aufzuarbeiten.

Andere römische Kaiser traten später in die Fussstapfen Neros, denn die Gerüchte hatten sich inzwischen verselbständigt. Schwarze Propaganda, Kübel voll Dreck, wurden wieder und wieder über die Christen ausgegossen. Ein Schauermärchen war irrationaler und schlimmer als das andere.

Auch Antonius Pius (= röm. Kaiser, 86 – 161) liess zahlreichere Verfolgungen zu, viele Christen wurden unter seiner Herrschaft in den Amphitheatern hingerichtet, zur Belustigung und Erbauung des Pöbels.

Christen wurden aber auch unter dem im Allgemeinen humanen Marc Aurel (= röm. Kaiser, 121 – 180) gesteinigt, verhaftet und gefoltert, denn die Gerüchte und Lügenmärchen wurden inzwischen allenthalben für „wahr“ gehalten.

Und so wurden im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. schliesslich die grausamsten Folterqualen von kranken Hirnen ersonnen. Einige Kostproben: ein Christenführer wurde auf einem eisernen, weissglühenden Sessel gesetzt und zu Tode gebraten. Ein christliches Sklavenmädchen wurde einen ganzen Tag lang gefoltert, dann in einen Sack eingenäht, in die Arena geworfen und von einem Stier aufgespiesst. Gladiatoren metzelten Christen in der Arena hin, viele starben in Kerkern, andere wurden geköpft, gepfählt und verbrannt oder wilden Tieren vorgeworfen. Eusebius, der grosse Kirchenlehrer, der im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert lebte, berichtete, dass Christen gegeisselt wurden, bis ihnen das Fleisch von den Knochen hing; daraufhin wurde das Fleisch mit Muscheln von den Knochen abgekratzt. Danach gab man Salz oder Essig auf die Wunden, während der Peiniger das Fleisch in aller Bärenruhe in Streifen schnitt und an wartende Raubtiere verfütterte. Manchen Christen  schob man angespitzte Schilfrohre unter die Nägel, anderen stach man die Augen aus, wieder anderen goss man flüssiges Blei in die Kehle. (3)

Trotzdem blieben die frühen Christen standhaft. Sie bekämpften mit dem Wort das Schwert, mit Liebe den Hass, mit Hoffnung die Grausamkeit und mit Demut den Stolz und rangen schliesslich den stärksten Staat nieder, das mächtigste Weltreich, das die Geschichte bislang gesehen hatte.

Die frühen Christen besiegten selbst das unbesiegbare Rom.

WAS WIR LERNEN KÖNNEN

Und so fallen uns förmlich zwei Erkenntnisse an:

1.  Wir erkennen an einem einzigen Beispiel, wie Gerüchte zu bewerten sind, die sich auf nichts anderes stützen als Vorurteile, die allenthalben wiedergekaut werden.

Nun könnte man theoretisch argumentieren, dass wir längst nicht mehr in einem solch barbarischen Zeitalter leben, wir leben nicht mehr im alten Rom. Können wir nicht inzwischen vor den Kadi ziehen und Fakten klarstellen?

2. erkennen wir, wozu solche bösartigen Gerüchte führen. Sie führen zu Folter, Verstümmelung, Repressionen, Entzug des Eigentums, Ausgrenzung und Mord!

Nun könnte man auch hier einwenden, dass wir mittlerweile in einem etwas humaneren Zeitalter angelangt sind.

Auch das stimmt nicht ganz: Die Organisation Open Door stellt jährlich eine Rangliste jener 50 Länder zusammen, in denen Christen bis heute (!) verfolgt werden. Christen werden noch heute getötet, gefoltert, ins Gefängnis geworfen, vertrieben, bestohlen oder in ihren Ausbildungsmöglichkeiten beschränkt.

Einen besonders schlechten Namen machen sich regelmässig die Länder Nordkorea, Iran, Saudi-Arabien, Somalia, Afghanistan, Jemen, Mauretanien, Laos und Usbekistan. Von Afrika bis hin zum Nahen Osten, von Inselgruppen nördlich von Australien bis hin zum Fernen Osten werden also Christen noch immer diskriminiert. Sie werden erpresst, vertrieben, entführt, in Arbeitslager gesteckt und ermordet. Und das im Jahre 2010! (4)

Womit aber beginnen all diese unsäglichen Morde, Verfolgungen und Diskriminierungen?

Sie haben es längst erraten: mit Gerüchten!

Wir sollten all dies in Rechnung stellen, bevor wir nur ein einziges Wort gegen irgendeine Religion erheben!

 

Quellenverzeichnis:

(1) Will Durant, Cäsar und Christus, Genf, ohne Zeitangabe, S. 348

(2) zitiert nach Will Durant, Der Aufstieg Roms und das Imperium, Frankfurt, Berlin, Wien, 1981, S. 304. Vgl. weiter Hans Martinet, Sueton, die Kaiserviten, Düsseldorf, 1997

(3) Will Durant, Cäsar und Christus, a. a. O., S. 357

(4) Vgl. der Spiegel 8/2010, S. 97 sowie www.opendoors-de.org

 

 

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