Diskriminierung: Beispiel Heilsarmee

Anfängliche Diskriminierung neuer religöser Bewegungen ist nichts Ungewöhnliches

Das Beispiel Heilsarmee

Ein Beispiel wie eine neue friedvolle Bewegung nicht anhand von Fakten analysiert worden ist sondern fälschlich von Medien und Obrigkeiten als gefährlich hingestellt und in der Folge sogar verboten wurde,  ist die Heilsarmee.
 
 

 

Ursprung der Heilsarmee

 
Die 1865 in London gegründete Heilsarmee 1865 von einem methodistische Pfarrer zusammen mit Freiwilligen aus verschiedenen Kirchen gegründet, um dem Elend in den Slums Londons entgegen zu treten. Ihr Motto war und ist noch heute «Suppe, Seife, Seelenheil». 
 
Die Organisation wurde straff geführt und die Helfer  mit militärischen Rängen versehen. Offenbar war das erfolgreich für ihr Aufstreben. Die Frau des Gründers setzte sich neben Armenspeisungen auch für die Rechte der Frauen ein.
 
Die Heilsarmee ist heute eine Freikirche mit engagierter sozialer Tätigkeit.  Sie wirkt weltweit in 118 Ländern und zählt ca. 1,7 Millionen Mitglieder.
 
Das war aber nicht immer so, als die in Zürich wurden 1865 öffentliche Versammlungen der Heilsarmme mit dem Vorwand verboten, dass diese die öffentliche Ordnung stören würden. Offenbar versuchte schon damals die herrschende Gesellschaftsschicht einen Status quo mit a ist im Zürcher TagesanzStaatsgewalt aufrecht zu halten.
 
Ein interessanter Bericht zu diesem Thema kürzlich ist im Zürcher Tagesanzeiger erschienen. 
 
Ein paar Zitate daraus geben wir hier wieder:
 
 
 
Die Heilsarmee in der Schweiz
 
Zürich – Dass die Heilsarmee in Zürich mit offenen Armen empfangen wurde, kann man nicht behaupten. Im Gegenteil: Der 1865 in London gegründeten christlichen Bewegung wehte Ende des 19. Jahrhunderts an der Limmat ein rauer Wind entgegen. Den ersten Gottesdienst musste sie im Estrich einer Hundedressuranstalt in Schlieren durchführen, und kaum in der Stadt Zürich angekommen, wurde sie verboten, wie Walter Bommeli berichtet. Der Heilsarmee-Major hat zum 125-jährigen Bestehen der Zürcher Heilsarmee deren Geschichte recherchiert und alte Dokumente zusammengetragen.
 
Tumulte in Hottingen
 
1885 untersagte das Statthalteramt Zürich öffentliche Versammlungen der Heilsarmee mit dem Argument, diese habe im GrünenHof in Hottingen «Schaustellungen» ohne Bewilligung durchgeführt und damit gegen das Hausiergesetz verstossen.
 
Die «Schaustellungen» seien «völlig interesse- und wertlos» und verletzten das sittliche Gefühl, «z.B. durch Absingen religiöser Lieder nach Bänkelsängermelodien». Überhaupt dienten sie «nur der Kolportage wertloser Schriften und dem Einsammeln von Geldspenden, mit einem Worte, dem Bettel», heisst es in dem Beschluss.
 
Steter Kampf mit der Polizei
 
Der Regierungsrat schützte das Versammlungsverbot, wobei er sich auf die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung berief. In der Westschweiz war es bei Heilsarmee-Versammlungen zu Tumulten gekommen. Auch bei den Versammlungen in Hottingen, die jeweils 600 bis 800 Leute anlockten, gab es «ernstliche Ruhestörungen», wie das Zürcher Polizeikommando 1885 rapportierte. «Händelsüchtige junge Leute unter Anführung bewährter Raufbolde» hätten die Versammlungen gestört, Teilnehmer und Salutisten bedroht. Mehrmals mussten Polizeiorgane Tätlichkeiten gegen Salutisten verhindern. Den «Agenten der Heilsarmee», so heisst es weiter, sei es gelungen, nebst Neugierigen auch «diejenigen Elemente zu vereinigen, die als Bettler, Vaganten, liederliche, arbeitsscheue Leute und Gewohnheitsverbrecher sich ohnehin in stetem Kampfe mit der Polizei befinden und den Anlass zu benutzen suchten, um Verwirrung zu erzeugen und Nutzen daraus zu ziehen».
 
 
 
«Kriegsgesänge» in der Nacht
 
 
Die Salutisten hatten offensichtlich Teile der Bevölkerung gegen sich aufgebracht. Die Polizei rapportierte, ihr Auftreten sei «von allem Anfang an kein massvolles, sondern ein marktschreierisches gewesen». Zudem seien sie «keineswegs friedliche Leute». Sie liessen ihre «Kriegsgesänge» auch nachts auf der Strasse erschallen, was manche Bewohner ärgerte. Viele sonst durchaus ruhige Bürger sähen im Gebaren der Salutisten «eine Verhöhnung nicht nur der christlichen Religion, sondern jeder wahren Religion überhaupt».
 
Doch die Salutisten wehrten sich. Ihr Anwalt zog vor Bundesgericht und erhielt Recht – das Versammlungsverbot wurde als verfassungswidrig bezeichnet und 1886 aufgehoben. 
 
Rasanter Aufschwung
 
Danach erlebte die Heilsarmee in Zürich einen rasanten Aufschwung, wie Bommeli sagt. In rascher Folge entstanden mehrere Korps. Die Popularität führt er darauf zurück, dass Heilsarmee-Angehörige nicht nur fromm redeten, sondern konkrete Hilfe für Arme und Gestrauchelte boten und «oft die Gabe hatten, Klartext zu reden». Zudem ging es bei ihren Versammlungen lebendiger zu und her als in den meisten anderen Kirchen. Bereits 1890 wurden im Korpssaal an der Dammstrasse die ersten Obdachlosen aufgenommen. 1903 wurde das erste Männerwohnheim an der Dienerstrasse eröffnet. In den Dreissiger- und Vierzigerjahren führte die Heilsarmee in Zürich Papier- und Kleidersammlungen ein und wurde so zu einer Pionierin im Bereich Arbeitslosenprogramme.  
 
Stadtart Waser: «Verlässlicher Partner»
 
Heute ist die einst angefeindete Organisation allgemein anerkannt. Die Heilsarmee betreibt in Zürich acht Einrichtungen im Sozialbereich, vor allem im Bereich Obdachlosen- und Randständigenhilfe. Sie hat im Kreis 4 drei Wohnheime mit 150 Betten, führt in Hottingen und Oerlikon Quartiertreffs und bietet zudem ein Hilfsangebot für Frauen aus dem Sexgewerbe. Daneben betreibt sie das Brockenhaus bei der Hardbrücke. Respekt zollt ihr auch Zürichs Sozialvorsteher Martin Waser (SP): Die Heilsarmee sei «ein langjähriger und verlässlicher Partner» des Soziadepartements. Ihre Unterbringungsmöglichkeiten seien für die Stadt wichtig. Das Zürcher Heilsarmee-Korps zählt derzeit 300 Mitglieder. Finanziell geht es der Institution nicht schlecht, wie Bommeli sagt. Finanziert wird die Arbeit der Heilsarmee einerseits durch Mitgliederbeiträge und Spenden, anderseits durch Beiträge der öffentlichen Hand sowie durch Erbschaften und Legate. Auch Nachwuchssorgen plagen die Zürcher Salutisten derzeit nicht, wie Bommeli sagt. Interessanterweise spüre man gerade bei den Jungen, dass sie wieder vermehrt zurück zu den Wurzeln wollten und auch das Militärische bei der Heilsarmee gut fänden; eine Abschaffung der Uniform stehe jedenfalls nicht zur Diskussion. (Quelle: Tages-Anzeiger, Von Martin Huber 13.03.2010)
 
 
Den ganzen Beitrag des TA finden Sie auf diesem Link: 

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Als-die-Heilsarmee-verboten-wurde/story/25167685 

0 Comments

Leave a reply

© 2017 Scientology Kirche Zürich

Log in with your credentials

Forgot your details?