60 Länder in Gewalt oder Krieg – Menschenrechte brauchen mehr als schöne Worte

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60 Länder befinden sich laut UNO-Hochkommissar Volker Türk derzeit in einer Gewaltsituation oder im Krieg. Seine eindringlichen Worte bei Radio SRF zeigen: Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeit. Umso wichtiger sind Menschen, Organisationen und Initiativen, die diese Rechte bekannt machen und sich dafür einsetzen, dass sie im Alltag gelebt werden.

«Was wir miterlebten, ist kaum zu beschreiben»

Es sind Aussagen, die aufhorchen lassen. In einem aktuellen Interview mit Radio SRF zeichnet UNO-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk ein bedrückendes Bild der weltweiten Lage.

Aktuell befänden sich 60 Länder in einer Gewaltsituation oder im Krieg. Was die Welt in den vergangenen Jahren an Brutalität, Gräueltaten und schweren Menschenrechtsverletzungen erlebt habe, sei kaum zu beschreiben. Besonders eindringlich warnt Türk davor, dass sich die Welt an eine «neue Normalität» gewöhnen könnte, in der Angriffe auf Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur beinahe als Kollateralschäden hingenommen werden.

Hinzu kommt: Laut SRF fliesst lediglich rund ein Prozent der UNO-Finanzmittel in den Menschenrechtsbereich.

Und dennoch zeigt das Interview, dass Menschenrechtsarbeit etwas bewirken kann. Nach Angaben Türks wurden im vergangenen Jahr über 5’000 willkürlich inhaftierte Menschen aus Gefängnissen geholt. Rund 140 Gesetzesvorschläge in verschiedenen Ländern seien so beeinflusst worden, dass sie nun im Einklang mit den Menschenrechten stünden.

Vor allem aber äussert Türk eine Überzeugung, die Hoffnung macht: Auf seinen Reisen sehe er, dass der Grossteil der Menschheit eine bessere Welt wolle – eine Welt, die auf Menschenrechten basiert.

Menschenrechte – kennen wir sie eigentlich?

Genau hier beginnt eine Aufgabe, die weit über Regierungen und internationale Organisationen hinausgeht.

Denn wie sollen Menschen ihre Rechte einfordern, die Rechte anderer respektieren oder bei Verletzungen aufmerksam werden, wenn sie diese Rechte gar nicht kennen?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte umfasst 30 Artikel. Sie spricht unter anderem von Gleichheit und Menschenwürde, vom Recht auf Leben und Freiheit, vom Schutz vor Folter und willkürlicher Verhaftung sowie von Religions-, Meinungs- und Bildungsfreiheit.

Menschenrechte können ihre Wirkung nur entfalten, wenn Menschen wissen, dass sie diese Rechte besitzen.

Nicht nur darüber reden – Menschenrechte bekannt machen

Deshalb unterstützen Scientology-Kirchen und Scientologen seit Jahrzehnten Menschenrechtsinitiativen wie United for Human Rights und Youth for Human Rights. Mit Informationsmaterialien, Veranstaltungen und Bildungsangeboten sollen die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verständlich und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Wie breit dieses Engagement inzwischen angelegt ist, zeigen zahlreiche Menschenrechtsaktivitäten von Scientologen in Europa. Dabei geht es nicht nur um einzelne Veranstaltungen, sondern um Aufklärung, Bildungsarbeit und öffentliche Aktionen in verschiedenen Ländern.

Auch Scientology-Gemeinden in Europa verbinden Menschenrechtsarbeit mit Prävention und Gemeindedienst. Damit wird aus dem grossen Begriff «Menschenrechte» etwas, das vor Ort sichtbar und für Menschen zugänglich wird.

In Zürich setzt sich der Verein „Gemeinsam für Menschenrechte Schweiz“ seit 21 Jahren für die Bekanntmachung der Menschenrechte ein und führt regelmässig Aktionen in der Innenstadt durch, wie hier am Nelson Mandela Tag.

Menschenrechtsarbeit im europäischen Umfeld

Ein wichtiges Bindeglied ist das European Office for Public Affairs and Human Rights der Scientology Kirche in Brüssel. Es befasst sich im europäischen Umfeld mit Menschenrechten, Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie dem Dialog mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren.

Wie praktisch solche Arbeit sein kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus London: Anlässlich des Internationalen Tages des Friedens brachte ein Runder Tisch Vertreter unterschiedlicher Organisationen und Gemeinschaften zusammen. Im Mittelpunkt stand die Verbindung zwischen Menschenrechtsbildung und konkreter Friedensarbeit im täglichen Leben.

Auch auf institutioneller Ebene bleibt der Schutz grundlegender Rechte ein aktuelles Thema. So berichteten wir über die Ernennung von Mairead McGuinness zur EU-Sonderbeauftragten für Religions- und Weltanschauungsfreiheit.

Ein weiterer Ansatz richtet sich direkt an junge Menschen: Der neue Jugendleitfaden «Europas Werte, deine Rechte» vermittelt europäische Grundrechte in verständlicher Form.

Denn Rechte, die niemand kennt, sind im entscheidenden Moment schwer einzufordern.

Von Kopenhagen und Mailand bis Zürich

Wie unterschiedlich Menschenrechtsarbeit aussehen kann, zeigen weitere Beispiele.

Zum Nelson-Mandela-Tag kamen in Kopenhagen Vertreter aus Diplomatie, Nichtregierungsorganisationen und lokalen Initiativen zusammen. Im Mittelpunkt standen Menschenrechtsbildung, Zusammenarbeit sowie Werte wie Würde, Gleichberechtigung, Toleranz und gegenseitiger Respekt. Mehr dazu in unserem Beitrag «Führende Persönlichkeiten versammeln sich, um den Nelson-Mandela-Tag zu begehen und ihr Engagement für die Menschenrechte zu bekräftigen».

In Norditalien brachte eine Menschenrechtsveranstaltung in Mailand Menschenrechtsbildung mit Fragen der Integration und des gesellschaftlichen Zusammenlebens zusammen.

Und auch in der Schweiz findet diese Arbeit statt. In Zürich gehören Informationsaktionen zu Menschenrechten zu den sozialen und informierenden Aktivitäten in der Innenstadt, die von der Scientology Kirche Zürich unterstützt werden.

Brüssel, London, Kopenhagen, Mailand oder Zürich – die Dimensionen mögen unterschiedlich sein. Der Grundgedanke bleibt derselbe: Menschen informieren Menschen.

Was kann der Einzelne schon bewirken?

Angesichts von Kriegen und schweren Menschenrechtsverletzungen kann sich der Einzelne schnell machtlos fühlen.

Was kann ein Informationsstand in Zürich schon gegen einen Krieg irgendwo auf der Welt ausrichten?

Vielleicht ist das die falsche Frage.

Kein einzelner Mensch und keine einzelne Organisation wird die weltweiten Probleme allein lösen. Aber jeder kann dazu beitragen, dass Menschenrechte bekannter, besser verstanden und selbstverständlicher respektiert werden.

Genau deshalb sind Aufklärung und Bildung wichtig.

Volker Türk bezeichnet die internationalen Menschenrechtsnormen im SRF-Interview als eine grossartige Errungenschaft der Menschheit. Gleichzeitig zeigt die von ihm beschriebene Situation, wie wenig selbstverständlich diese Errungenschaft heute ist.

Menschenrechte dürfen deshalb nicht nur in UNO-Dokumenten stehen. Sie gehören in Schulen, auf die Strasse, in öffentliche Diskussionen – und vor allem in die Köpfe der Menschen.

Denn wer seine Rechte kennt, kann für sie eintreten. Und wer die Rechte seiner Mitmenschen kennt, hat einen guten Grund mehr, sie zu respektieren.

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